November 19, 2019

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„Der digitale Wandel ist Kopfsache“

Borken – „Der digitale Wandel ist Kopfsache. Für die Umsetzung braucht es ein Umdenken über die Wertschöpfungsprozesse im Kopf der Menschen.“ Davon ist Dr. Klemens Skibicki überzeugt. Der Professor für Marketing und Marktforschung sowie wissenschaftliche Direktor des Deutschen Instituts für Kommunikation und Recht im Internet an der Cologne Business School in Köln war auf Einladung der VR-Bank Westmünsterland zur Vertreterversammlung der Bank ins Forum Mariengarden nach Borken-Burlo gekommen. In seinem Vortrag sprach er über den digitalen Wandel, Umsetzungsschwierigkeiten und Lösungsansätze.

Der Vorstand der VR-Bank Westmünsterland (von links) Berthold te Vrügt, Matthias Entrup und Dr. Wolfgang Baecker mit Gastreferent Professor Dr. Klemens Skibicki (Zweiter von rechts)
Foto: Wittenberg

„Die Digitalisierung ist ein Prozess, mit dem sich die Menschen in Deutschland unfassbar schwertun. Wir sind eine Industrienation mit genau definierten Wertschöpfungsketten und Produktionsprozessen. Das digitale Zeitalter schafft nun Chancen für vollkommen neue, bislang unbekannte Prozesse“, erklärte Skibicki. Gegenüber diesen neuen Möglichkeiten gebe es zunächst eine Abwehrhaltung in der Gesellschaft. „Schließlich gibt der Mensch ungern gelernte Rollen ab. Wir müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass der Strukturwandel nicht aufzuhalten ist und wir uns diesem Veränderungsprozess stellen müssen“, machte der Wirtschaftshistoriker klar. 

Skibicki ordnete die Tatsache, dass Europa im internationalen Vergleich die wenigsten „digitalen Champions“ hervorbringe und der digitale Wandel nur langsam vorangehe, aber nicht nur als gesellschaftliches Problem ein, sondern auch als politisches. „Politiker verstehen die Funktionsweise von sozialen Netzwerken, die die Digitalisierung erheblich mitgestalten, nicht. Sie denken, dass dort – platt gesagt – nur Idioten mit Katzenbildern unterwegs sind. Aber das ist viel zu eng gedacht“, betonte er. Vielmehr ergeben sich aus der Interaktion der User auf Facebook, Instagram und Co. wertvolle Informationen über ihre Bedürfnisse. „Diese Daten sind der Schlüssel für den künftigen Unternehmenserfolg. Natürlich schwebt über all dem auch immer die Gefahr des Datenmissbrauchs, aber in erster Linie wollen Unternehmen mit Ihren Daten Geld verdienen und sich davon einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem sie ihren Kunden passgenaue Angebote machen – wovon diese letztlich profitieren, da sie schneller bessere Entscheidungen treffen können“, wandte sich Skibicki an die rund 250 VR-Bank-Vertreter. Mit Verordnungen wie der Datenschutzgrundverordnung oder dem neuen Urheberrecht lege die Politik dem digitalen Wandel Steine den Weg.

Skibicki sprach sich daher dafür aus, bessere Rahmenbedingungen für die Digitalisierung zu schaffen. „Die wichtigen Player in der Digitalisierung – also Menschen und Unternehmen, die diesen Prozess aktiv vorantreiben wollen – müssen sich gemeinsam mit der Politik an einen Tisch setzen, neue Dinge ausprobieren und so den Weg von alten Industrieprozessen zu neuen Technologien ebnen. Sie müssen sich fragen, welche Prozesse aus der Wertschöpfungsketten vernetzt und somit effizienter gestaltet werden können“, forderte er. Insbesondere in Familienunternehmen sah der Experte großes Potenzial: „Familienbetriebe sind oftmals offener für den digitalen Wandel, da sie in Dynastien denken und schon heute die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung des Unternehmens für die nachfolgende Generation schaffen wollen. Sie orientieren sich weniger an Quartalszahlen und Wahlperioden, wie es Konzerne und Politiker tun.“ Dem vom familiengeführten Mittelstand geprägten Westmünsterland testierte Skibicki daher gute Entwicklungschancen im digitalen Wandel. Darüber hinaus verfüge die Region über echte digitale Player. „Mit Unternehmen wie Tobit.Software oder d.velop haben Sie innovative Gestalter vor Ort, die die Digitalisierung entscheidend mitgestalten können“, betonte er.

Damit das funktioniere, bedarf es allerdings auch eine passende Infrastruktur. „Wir brauchen 5G-Netze bis zu jeder Milchkanne, damit die digitalen Prozesse überhaupt laufen können. Ohne eine flächendeckenden Netzausbau kann der digitale Wandel nicht erfolgen“, machte Skibicki klar.

Info:
Im Rahmen der Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland stimmten die Vertreter unter anderem über die Verwendung des Jahresüberschusses ab. Vom Gewinn in Höhe von knapp 21 Millionen Euro der Bank in 2018 erhalten die 47.255 Mitglieder eine Dividende von 5,5 Prozent.

Aus dem Aufsichtsrat schieden turnusmäßig Anja Meuter (Gescher), Udo Damhus (Rosendahl-Holtwick) und Dr. Jürgen Wigger (Borken) aus. Sie stellten sich der Wiederwahl und wurden in ihrem Amt bestätigt.

Feierlich verabschiedet hat die Vertreterversammlung Ursula Jung (Borken) und Erich Kerkeling (Coesfeld). Sie schieden aufgrund des Erreichens der satzungsmäßigen Altersgrenze aus dem Aufsichtsrat aus und beenden damit ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für die VR-Bank. Jung (seit 1993) und Kerkeling (seit 1991) gehörten beide dem Gremium über 25 Jahre an und waren in dieser Zeit auch in verschiedenen Ausschüssen für das Aufsichtsorgan der VR-Bank engagiert. In Anerkennung ihrer Verdienste zeichnete Wirtschaftsprüfer Dieter Schulz Jung und Kerkeling mit der Ehrennadel in Gold des Genossenschaftsverbandes Verband der Regionen aus.

Von Anja Wittenberg Freitag, 3. Mai 2019
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